Spinnennetz mit Tau

Spinnennetz mit Morgentau

Ahornblatt in Herbstrot

Ahornblatt in Herbstrot

Verdrehte Welt: Man muss den Firmennamen spiegelverkehrt auf den Lieferwagen schreiben, damit ihn der Vordermann im Rückspiegel lesen kann.

*

Woher nur rührt dieser Drang zum Historischen, zur Ein- und Unterordnung unter Geschehenes, Stammbaum, Gruppen, Volk, Nation?
Wiseo geht mir dieser Drang so total ab?
Und wieso empfinde ich nur Mitleid für Menschen, die das brauchen?

Adduktoren und Abduktoren sind Oberschenkelmuskeln, mit deren Hilfe man seine Beine seitlich abspreizen und wieder zusammenziehen kann.
Aber welcher Muskel macht nun welche Bewegung?

Hier meine Eselsbrücke:

B wie Breit
D wie Druck

Im einzelnen:
Mit den Abduktoren (sitzen seitlich an der Hüfte) macht man die Beine breit.
Mit den Adduktoren (an der Innenseite der Oberschenkel) drückt man sie wieder zusammen.

Empörung ist gesund.

Empörung schafft Ordnung im Kopf. Auf dem Scheiterhaufen des für uns Inakzeptabeln lassen wir alles lodern, was unserem Verständnis von gerecht und berechtigt widerspricht. Empörung bringt Abgrenzung, und diese ist bessere Therapie als die teuersten Seelenflicker sie bieten können.

Andreas März im Editorial von MERUM, Ausgabe 1/2009 (kompletter Text: hier)
*

Stimmt das?

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Ein facettenreiches Gefühl, dieser Neid!
Es zeigt mir, was ich gerne hätte. Aber auch, was ich mir nicht zu erlangen traue(erlaube?). Folglich sagt es mir etwas über meine Wünsche, aber auch über meine Werte (Neurosen?). Und über das, was ich verdränge und auf andere projiziere.

Neid tritt in zwei Formen auf: als Bewunderung und als Mißgunst.
Bei welcher Gelegenheit sich welche Ausprägung einstellt: auch das erzählt mir viel über mich.

Leider ist Neid auch eins der meisttabuisierten Gefühle. Wer gibt schon offen zu neidisch zu sein? Selbst wenn man es jemandem direkt auf den Kopf zusagt (selbst wenn derjenige gar nicht auf den Gesprächspartner neidisch ist), wird die Person es abstreiten.

Schade. Dabei kann man aus dem eigenen Neid so viel lernen.
Allerdings nur über sich selbst. Und selten Angenehmes.

Was ich glaube: Wer zu seinem Neid und seiner Eifersucht stehen kann, hat eine höhere Bewusstseinsstufe erklommen.

VDI nachrichten:
Anders als andere Länder finanzieren die Amerikaner ihre Schulden nicht selbst, sondern lassen die Ausländer ihre Anleihen kaufen. Was passiert, wenn das nicht mehr klappt?

Jens Ehrhardt:
Dann muss die US-Notenbank die Anleihen aufkaufen und das Geld dafür wird gedruckt. Ein Zusammenbrechen des amerikanischen Rentenmarktes wäre eine riesige Gefahr – auch für die Weltwirtschaft – die derzeit kaum thematisiert wird.
Sicherlich, wir werden die gegenwärtige Finanzmarkt- und Konjunkturkrise hinter uns lassen. Doch damit ist der Kern der Krise keineswegs beseitigt: Wir haben es im Grunde mit einer weltweiten Verschuldungskrise zu tun, deren Beben die Weltwirtschaft immer wieder erschüttern wird. Ihr Epizentrum liegt in den USA.
Schon heute ist die US-Gesamtverschuldung mit 375,5 % des Bruttoinlandsprodukts erschreckend hoch. Die Verschuldungssumme ist mit rund 53 000 Mrd. $ gigantisch. Und sie nimmt durch die massiv steigenden Staatsdefizite explosionsartig zu.


Dr. Jens Ehrhardt, Gesellschafter der Dr. Jens Ehrhardt Kapital AG, einer der größten bankenunabhängigen deutschen Wertpapiervermögens-Verwaltungsgesellschaften, zusätzlich Mitherausgeber der Zeitschrift "Finanzwoche"
zitiert in: VDI nachrichten Nr. 27/2009, 03.07.2009, Seite 11

Das gesamte Interview mit Jens Erhardt, angeblich einer der erfahrensten und erfolgreichsten deutschen Vermögensberater:
"Es ist noch kein Aufschwung in Sicht"

Das Imponiergehabe mit englischen Ausdrücken kommt weder in den Medien noch bei den Mitarbeitern gut an. Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt: Wer nichts zu sagen hat, der sagt es auf Englisch.

Walter Krämer, Statistikprofessor an der Universität Dortmund und Gründer des Vereins Deutsche Sprache.
zitiert in: VDI nachrichten Nr. 25/2009, 19.06.2009, Seite 15

Hier ein Sudoku aus der aktuellen Ausgabe der schweizerischen Bahnzeitschrift "via":

Sudoku aus via

Knifflig? Eigentlich nicht. Immerhin sind 28 von 81 Feldern bereits ausgefüllt.
Trotzdem habe ich mich im ersten Versuch verfranst.
Als ich nach einem Umsteigen eine andere Ausgabe des Heftes zur Hand nahm, hatte sich ein anderer Fahrgast an dem Rätsel versucht. Auch er war gescheitert, wenngleich auf andere Art als ich.
Ich musste das Sudoku in mein Notizbuch übertragen. Erst im zweiten Anlauf gelang mir die Lösung.

Am 9. April 1909 berichtet die Münchner Stadt-Chronik über von der Polizei veröffentlichte Fußgänger-Vorschriften.

Es ist neuerdings zu beachten:
1. Man bleibe auf dem Trottoir.
2. Man gehe stets rechts.
3. Man weiche sich gegenseitig nach rechts aus.
4. Langsam gehende, namtlich gebrechliche Personen sollen möglichst an der äußersten rechten Seite des Trottoirs gehen, damit rasch gehende Personen von links ohne Störung vorgehen können
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Am Wochenende konnte man an den Münchner Zeitungskästen einen niedlichen Dialog zwischen den Schlagzeilen der Boulevard-Zeitungen verfolgen:

Am "BILD"-Pranger standen diesmal:

Die gierigen Geld-Säcke

Die "tz" kommentierte:

42 ganz legale Steuer-Tricks

*

Wo fängt Abzocke an? - Schwer zu sagen.
Aber eine Untergrenze kann jeder angeben: Das eigene Jahreseinkommen.

Don McMillan zeigt im folgenden Video typische Fehler auf, die einem bei einer Powerpoint-Präsentation unterlaufen können:

Kostprobe:

  • In fact,
  • The
  • Term
  • "Bullet Point"
  • Comes
  • From
  • People
  • Firing
  • Guns At
  • Annoying
  • Presenters.

Danke an Achim Hiltrop für den Hinweis!

Marktwirtschaftliche Ordnung funktioniert nur, wenn neben die Freiheit die Verantwortung tritt. Wenn Verantwortung ausschließlich in Regeln liegt, die vom Himmel fallen, dann gibt es keine Verantwortung mehr. Wo aber niemand Verantwortung trägt, stirbt die Freiheit.

Prof. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln,
VDI nachrichten Nr. 6/2009, 06.02.2009, Seite 2 (Link zum Interview)

In einem früheren Beitrag habe ich mich mit skeptischem Wohlwollen zu Obamas Präsidentschaftswahl geäußert.
Seit 20 Januar ist er nun offiziell im Amt. Und er hat einen fulminanten Start hingelegt. Mit dem er mich beschämt hat.

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"Since I don’t have enough things to do I also volunteer to participate in this project. However, it should be pointed out that my memory is not as good as it used to be."

Die niedliche Antwort eines amerikanischen Kollegen auf die Frage, ob er in einer Arbeitsgruppe mitmachen möchte.
Grob übersetzt: "Da ich nicht genug zu tun habe, melde ich mich freiwillig für dieses Vorhaben. Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass mein Gedächtnis nicht mehr so gut ist wie früher."
Und noch etwas: Sie fühlen sich gemobbt. Das ist ein Gefühl für die Schwachen, die Geschlagenen und Getretenen dieser Welt. Sie aber sind ein Manager [...]. Ein solcher Mann wird nicht gemobbt - er hat höchstens Feinde.

Heiko Mell, VDI nachrichten Nr. 55, 23.7.2008, Karriereberatung, 2240. Frage (Volltext)

Kann man es treffender sagen?
Gegen Anfeindungen anderer kann ich (kurzfristig) nichts machen. Ich habe aber durchaus die Wahl, wie ich das innerlich bewerte.
Will ich mich im wohligen Opferstatus suhlen - und passiv bleiben?
Oder nehme ich den Kampf gegen meine Widersacher auf?

Lesenswert auch folgender Beitrag vom gleichen Autor:
Mobbing gibt es gar nicht?!

An dieser Stelle möchte ich der Worte gedenken, die nur in der Negation existieren.
Einmal möchte ich sie von der Vorsilbe "Un" befreien und in positiver Form verwenden.

  • Er reagierte leicht wirsch.
  • Sie wurde etwas gehalten.
  • Welch ein Hold!
  • Er verhielt sich sagbar blöde.
  • Das ist eine abdingbare Bestimmung.
  • Werden Sie nicht flätig!
  • Welch ein gehobeltes Verhalten!
  • Warum musst du immer so gezogen zu Mutti sein?
  • Er hat schon zählige Äpfel geklaut.

Wer kann die Liste vervollständigen?

In einem Hotelzimmer: Erschrecken über die Anordnung der Wände und Möbel.
Erst mühsam muss ich rekonstruieren, in welcher Stadt ich mic befinde.

*

Abspann in einer sonntäglichen Kino-Matinee. Plötzlich Angst, ob ich den Herd abgestellt habe.
Es braucht seine Zeit, bis mir klar wird: es ist Nachmittag trotz Kinodunkel, den Herd habe ich am Abend zuvor benutzt und selbstverständlich abgestellt, und so weiter...

"Ich will Aphorismen schreiben."
"Mit satirischen Texten erreicht man die Leute."
"Man spricht die Menschen an, wenn man aktuelle Themen aufgreift. Wir haben zur Zeit z.B. drei Kriege..."

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Die Zeit der Hexenverfolgungen und der öffentlichen Pranger ist noch nicht so lange her. Das moderne Spießrutenlaufen veranstaltet man an den Kiosken, in den Zeitschriftenabteilungen von Supermärkten und Kaufhäusern und - zumindest hier in München - in den allgegenwärtigen Zeitungskästen, aus denen man gegen Münzeinwurf seine Zeitung entnehmen kann.

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Claudia Klinger findet in ihrem Digital-Diary-Eintrag "Ein funkelnagelneues Jahr" treffende Worte zur aktuellen "Krise":

Wie eigenartig! Früher war “Katastrophe”, wenn alle kaufen wollten, es aber nichts gab. Heute ist alles im Überfluss da, aber kaum einer kauft. Dass viele Menschen zuviel kauften, ohne es sich wirklich leisten zu können, hat die Krise ausgelöst - und nun soll sie bekämpft werden, indem “mehr kaufen” mit allen Mitteln forciert wird.[...]

Es ist schon ziemlich verrückt, dass wir konsumieren sollen, damit es uns nicht schlechter geht - und nicht, weil wir noch viele unbefriedigte Bedürfnisse hätten.

Liebe Claudia, danke für die Gehirnwäsche mit Klarspüler!

Richtig! Der neue PEARL-Katalog ist da.
Bei dem Versandhaus decke ich lediglich meinen Bedarf an preisgünstigen Tonerpatronen.
Dennoch blättere ich den Katalog immer einmal durch. Er besitzt nämlich hohen Unterhaltungswert.

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Die Überschrift macht es klar: Es geht um die Januar-Ausgabe der Zeitschrift "Psychologie heute".
Und wieder einmal bestätigt sich meine ambivalente Haltung zu diesem Periodikum. Neben viel zu wenigen Highlights gibt es einiges an Bodensatz, bei dem das Populäre die Wissenschaft verdrängt.

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Aus Mangel an Phantasie schuf sie sich ein ereignisreiches Leben.

Das Geheimnis des Glücks sind geringe Erwartungen.

Wer den Ursprung zu seinem Ziel macht, kann sich gleich einsargen lassen.

Natürlich ist es wichtig, seine Wurzeln zu kennen: Nur wenn man weiß, woher man kommt, kann man seine Richtung erkennen. Die führt aber stets vom Urspung fort.

Man darf nicht zum Ursprung zurück wollen im Sinne einer Umkehrbewegung.
Mitunter gelangt man auf seiner natürlichen Fort-Bewegung an den Ursprung zurück: wenn man sich auf einer Kreisbahn bewegte.

Die aktuelle Ausgabe der VDI-Nachrichten vom 28.11.2008 enthält gleich drei interessante Artikel:

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Wenn nicht alles täuscht, leben wir augenblicklich in einer ausgesprochen matriarchalischen Epoche. Darauf läßt die einseitige Soziologisierung und Biologisierung unsres Daseins schließen, die letzten Endes auf eine Enthumanisierung hinausläuft.

aus: Hans Erich Nossack "Orest"
in: "Romanfiguren" (Die Mainzer Reihe 29), v. Hase und Koehler Verlag, Mainz, 1971
herausgegeben von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Klaase der Literatur, Mainz

Deshalb liebe ich ihn so: für seinen Mut, solche Erkenntnisse auszusprechen.

  1. Ich laufe nach wie vor ohne Deutschland-Fahne durch die Gegend. Ein Auto habe ich nicht, weder in meiner Wohnung noch an Fenster oder Balkon wehen Deutschland-Fähnchen.
  2. Diese schwarz-rot-goldene Euphorie ist für mich eine Modeerscheinung, und zwar eine eher harmlose. Trotzdem mache ich nicht wahllos jede Mode mit.
  3. Beim Anblick der Deutschland-Fahnen fühle ich nicht mehr als ein müdes Amüsement gepaart mit einem Schulterzucken. Wer's nötig hat...

  4. Es gibt weitaus hässlichere Nationalflaggen als die deutsche!
    Es gibt auch weitaus schlimmere Nationalhymnen!
  5. Das Schwenken einer Deutschland-Fahne bei einem EM- oder WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft kann ich niemandem verübeln. Wenn junge Mädchen in schwarzem Top, rotem Bauchgurt und gelbem Röckchen im Biergarten auftauchen, finde ich das leicht übertrieben. Aber noch lange nicht empörungswürdig.
  6. Das sieht anders aus, wenn ein Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft (dFNM) mit Hitlergruß oder anderen Nazi-Parolen gefeiert wird. Hier gilt: Zero Tolerance!
  7. Die dFNM taucht im Grundgesetz nicht auf. Sie hat keine verfassungsmäßige Funktion im deutschen Staatsgebilde. Eine Identifikation nur aufgrund übereinstimmender Staatsangehörigkeit finde ich reichlich armselig.
  8. Die dFNM repräsentiert deshalb auch nicht das deutsche Volk. Die gewählten Volksrepräsentanten sind die Bundestagsabgeordneten. Basta!
  9. Als Auswahl des DFB repräsentiert die dFNM allerhöchstens(!) die in einem Verein organisierten deutschen Fußballspieler. Wer kein FC-Mitglied ist, sollte nicht "wir" sagen, wenn er die dFNM meint! Und selbst als einfaches Vereinsmitglied sollte man diese Identifikation erstmal überdenken.
  10. Ich habe mir gestern abend in der Kneipe meines Vertrauens (der Wirt ist übrigens Kroate) das Halbfinalspiel gegen die Türkei angeschaut. Dabei habe ich der dFNM die Daumen gedrückt, mich über jedes Tor der dFNM gefreut, über jedes der türkischen Elf ein wenig geärgert - und war am Ende glcklich über den Sieg der dFNM!
    Sicherlich wäre ich nach einer Niederlage etwas traurig gewesen. Das wäre aber nicht in einen Krankschreibungsgrund ausgeartet!

Hat einer einen Gipfel erklommen, überkommt ihn bisweilen der Wunsch "Hier will ich bleiben."
So verurteilt er sich selbst zur Starrheit, ohne es zu merken.

Der Gipfel gewährt nur Platz für einen. Die Siedlungen findet man im Tal.

Stolz fühlt sich der Gipfelbezwinger. Doch eine Bergtour endet erst mit dem Abstieg.

Der Gipfel gestattet Aus- und Überblick. Vielleicht sieht man im Tal einen Weg, den man unten nie wahrnahm. Oder man erkennt, dass ein Weg kürzer ist, als er einem unten erschien. Nach dem Abstieg kann man neue Wege beschreiten.

Ein Gipfelsturm ist kein Wert an sich. Erst im Tal wird sich zeigen, was man von oben mitgenommen hat.

Dem, der mich einst ins Grab reinlegt
mit Engelsmiene gleichsam,
der mich zur letzten Ruhstatt trägt,
dem wünsch ich ein "Froh'n Leichnam!"

geschrieben am Fronleichnamstag
dem 22. Mai 2008

Bücherstapel März 2008

Das ist er - der Bücherstapel, den ich im März 2008 durchgelesen habe. Hinzu kommen drei lange Stücke und vier Einakter von Brecht (insgesamt 132 Dünndruckseiten, entspricht ca. 340 Manuskriptseiten). Ein stolzer Stapel!
Nach der letzten Pflicht-Anthologie für den Deutschen Science Fiction Preis durfte ich endlich wieder selbstbestimmt lesen. Diese Befreiung, die Möglichkeit zum wieder selbstbestimmten Lesen, entfesselte meinen Lesekonsum.
Zudem standen einige Dienstreisen plus die Osterfeiertage an. Beides sollte mir hinreichend Lesezeit bescheren.
Obwohl auf dem Stapel ungelesener Bücher (SUB) nur noch weniger als 20 Bücher lagerten, beschloss ich, im März keine zusätzlichen Bücher zu kaufen. Stattdessen setzte ich mir ein neues Ziel: den SUB auf weniger als 10 Bücher senken!
Das erschien leichter gesagt als getan. Denn die letzten verbliebenen Bücher, die teilweise schon 8 Jahre auf ihre Lektüre warteten, wirkten nicht mehr sonderlich attraktiv: wenn man sich so lange um die Lektüre herumdrückt, wird das schon Gründe haben. Hatten sie während der langen Lagerzeit Schimmel angesetzt?

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Erstaunlich, worauf man in Science-Fiction-Geschichten manchmal trifft:

Sie spürte, wie der Umgang mit dem kleinen Mädchen sie beeinflußte, und begann zu begreifen, wieso Frauen und Männer, die Kinder hatten, reifer waren als die, die keine hatten. Kinder ließen einen die eigene Kindheit noch einmal erleben und Entscheidungen, die man einst in aller Unschuld getroffen und wieder vergessen hatte, auf die man sich aber immer noch stütze, mit anderen Augen sehen, und sie ließen einen die eigenen Eltern in neuem Licht erscheinen. Sie empfand es als beunruhigend, wenn sie sich über Celia aufregte, weil diese etwas tat, das einst ihre Mutter geärgert hatte, und gleichzeitig sicher war, daß sie ein Recht dazu hatte, sich aufzuregen.

aus: Donald Kingsbury
"Um den Stahl einzufahren"
(OT: To Bring in The Steel, © 1978)
in: Wolfgang Jeschke (Hg.)
"Eine Lokomotive für den Zaren"
Heyne TB 3725, © 1980
*

Stimmt das? Kinder machen reifer?
Aber was heißt das - reif sein? Für einen reifen Apfel ist es Zeit, gegessen zu werden. Oder zu Boden zu fallen und zu zerplatzen. Ist das so erstrebenswert?

Kinder als natürliche Therapeuten? Bzw. Therapiemittel?
Ist das der Sinn von Kindern? Den Erwachsenen zu helfen, die Wunden ihrer eigenen Kindheit zu heilen? Um den Preis, ihren Kindern neue zuzufügen?

Und was, wenn die Eltern sich der Therapie durch ihre Kinder verweigern? Vielleicht wegen der Traumata aus ihrer eigenen Kindheit?

*

Wie dem auch sei: Das Zitat hat mich berührt.
Eine Saite zum Schwingen gebracht, die mit dem Text in Resonanz steht.

Es ist zwar schon ein paar Tage her, aber ich möchte die frohe Botschaft nicht unerwähnt lassen.

In ihrer Sitzung am 6. März 2008 entschied die "Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien", das Buch " 'Wo bitte geht's zu Gott?', fragte das kleine Ferkel" nicht in die Liste der jugendgefährdenden Medien aufzunehmen.
Da alle drei Religionen (Judentum, Christentum und Islam) gleichermaßen angegriffen würden, sei das Buch nicht als antisemitisch einzustufen. Religionskritik - auch solche, die möglicherweise das Empfinden von Gläubigen verletzt - stelle keinen Tatbestand der Jugendgefährdung dar.

Eine wahrhaft österliche Frohbotschaft: Hosianna wo auch immer!
Das Recht auf Meinungsfreiheit gilt weiterhin auch in Kinderbüchern.

Links:
Blog-Eintrag "Rettet das kleine Ferkel!"
Presseerklärung der Bundesprüfstelle
Rettet das kleine Ferkel! - die Website zum Skandal

Frage: Wenn eine unserer Lebensaufgaben darin besteht, diese Schöpfung lieben zu lernen, müssten wir dann nicht auch liebevoll auf unser Ego schauen lernen? Denn schliesslich ist auch das Ego ein Teil der Schöpfung.

aus: Böses, böses Ego!
von Hans-Peter Zimmermann


Danke, Hans-Peter!
Eine schöne Ergänzung zu dem, was Wolf Schneider zum gleichen Thema schrieb.

Eigentlich mag ich die Zeitschrift "Psychologie heute" nicht mehr so gern. Zu viele Artikel erschöpfen sich in Platitüden, zu viele modische Trends werden aufgegriffen, zu oft wird über einzelne Studien berichtet, aber die Gesamtschau aller Erkenntnisse auf einem Gebiet vernachlässigt.
Die aktuell vorliegende März-Ausgabe jedoch (richtig gelesen: die März-Ausgabe ist bereits erschienen!) ist sehr lohnend. Denn gleich drei Artikel sind sehr lesenswert:

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Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.

Ein Satz, der zum Standardrepertoire aller Esoterik-Trittbrettfahrer gehört.
Ja, aber enthält er nicht eine tiefe Wahrheit? Eröffnet er nicht den Blick auf die verborgenen Bedeutungen hinter der Oberfläche, auf das eigentliche, essentielle, wirkliche Sein? Ist das nicht ein Fingerzeig auf das Geheimnis der Welt und des Lebens?

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"Environment is everything that is not me." (Umwelt ist alles, was nicht "ich" ist.)
Auf diese griffige Formel reduzierte eine hochrangige Vertreterin der Weltgesundheitsorganisation die Definition des Begriffs "Umwelt".

Doch mit dieser Begriffsbestimmung, die auf Verneinung beruht, erhebt sich eine Frage, die die meisten Menschen als selbstverständlich und alles andere als fragwürdig hinnehmen, ja, die ihnen noch nicht einmal bewusst wird. Die Frage lautet:


Wer bin ich?


Wer sich auf diese scheinbar so harmlose Frage einlässt, wird auf überraschende Antworten stoßen.
Antworten, die geeignet sind, die Grenzen zwischen "Umwelt" und "Ich" niederzureißen.

„Ich habe mich verliebt.“
Das klingt wie „Oh, Verzeihung, ich habe mich verwählt.“, wenn man am Telefon falsch verbunden wurde.
Und mancher Mensch wird, im Stillen seiner Hochzeit gedenkend, vor sich hin murmeln: „Da habe ich mich wohl verheiratet.“

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Wieso klappt das nicht auf Dienstreisen? Eigentlich wollte ich mich schon letzte Woche rein vegetarisch ernähren. Doch zwei Fischgerichte in Dresden ließen das Vorhaben grandios scheitern.

Nun gut - aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Diese Woche läuft das Projekt bislang ganz gut an. Seit Montag habe ich kein totes Tier mehr zu mir genommen. Heute ist allerdings der erste Tag, an dem ich so etwas wie Reinigung spüre.

Es folgt unser fleischloses Menü von gestern abend:

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Hier bietet jemand 3 Krimis an:
Neben zwei Klassikern von Edgar Wallace und Alastair McLean auch "Der Fall d'Arthez" von Hans Erich Nossack.

Da wird sich aber jemand wundern, wenn er dieses Meisterwerk liest in der Erwartung, einen 08/15-Krimi vorgesetzt zu bekommen...

Ein Atomkrieg ist über die Erde hinweggefegt. Ein Meteoriteneinschlag hat den Planeten verwüstet, bzw. einen Tsunami verursacht, in dessen Fluten die meisten Menschen ertrinken. Eine neuartige Krankheit welcher Art auch immer hat die Menschheit weitgehend ausgelöscht.
Deartige planetare Katastrophenszenarien bilden den Hintergrund von "Post-Holocaust-Romanen". Aber nur den Hintergrund. Denn sie spielen in der Zeit danach. Post-Holocaust-Romane fragen: "Was passiert dann? Wie gehen die Überlebenden damit um? Welche menschlichen, gesellschaftlichen, biologischen Veränderungen werden durch das Ereignis ausgelöst?"

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München ist so eine schöne Stadt. Warum kommen die Leute ausgerechnet zum Oktoberfest?!

Deutschland einig Säuferland!

Vielleicht war das mit dem allgemeinen Wahlrecht doch keine so gute Idee...

Was steht auf akustische Umweltverschmutzung?

Falls der Mensch wirklich vom Affen abstammen sollte: Sind wir nicht eine Beleidigung für unsere Ahnen?

Kann man aus seiner Tierart austreten?

Nun nehme ich doch an Gabarethas Aufruf zur Blogparade teil - was auch immer das sein mag!

Allerdings wird mein "Beitrag" wohl eher eine "Verweigerung" werden - gibt es doch zu viele Punkte in der Aufgabenstellung, die ich nicht verstehe.


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Wenn ich in eine unbekannte Stadt komme, überträgt sich sofort ein Gefühl: Fühle ich mich grundsätzlich wohl hier oder nicht?

Ich kann dieses Gefühl nur schwer an Äußerlichkeiten festmachen. Aber ich spüre es sehr deutlich.

Hier ein paar meiner Wohlfühl-Städte. Und ein paar von den anderen:

Städte Wohlfühl Unwohlfühl
in Deutschland München
Hamburg
Leipzig
Dresden
Seligenstadt
Freiburg
Bad Münstereifel
Dortmund
Nürnberg
Lübeck
Frankfurt
Berlin
Köln
Jena
Fürth
im Ausland Genf
Paris
Luxemburg
London
Kopenhagen
Washington
Quebec
Sidney
Christchurch
Wien
Florenz
Rom
Avignon
Dublin
New York
St. Paul
Brüssel
Mailand

Die Listen erheben keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.
Die Reihenfolge gibt keine Rangfolge wieder.

Ach, und bevor ich es vergesse: Die Listen sagen natürlich NICHTS über die Städte aus.
Aber SEHR VIEL über mich!

Aber das gilt für alles, was ich hier und anderswo von mir gebe.

Was als harmloser Ausflug beginnt, entwickelt sich für ein deutsches Urlauberpärchen zu einer spirituellen Reise in die äußere und innere Wüste.
Ein minimalistisches Meisterwerk über zerfallende Egos und die Kraft des Lebens!

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Eltern haben ihren Job gut gemacht, wenn sie nach 20 Jahren überflüssig werden.
Jedes Jahr, was das Kind länger daheim wohnt, bedeutet für Eltern dasselbe wie für Schüler einmal sitzenbleiben.

Nossacks Tagebücher sind eine Schatztruhe. Ständig stolpert man über Einsichten wie diese:

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"Wo ist nur die Zeit geblieben?"
"Jetzt haben wir schon September."
"Das Jahr ist so schnell rumgegangen."
"Du gehst auch schon auf die 50 zu."
"Was? Schon Mittag?"


*

Wenn ich solche Sätze höre, bin ich regelmäßig erstaunt.
Erstaunt darüber, wie viele Menschen immer noch in die Verstandesfalle tappen. Und erstaunt über mich. Denn solche Gedanken kommen mir einfach nicht.
Genauer gesagt: Sie sind mir abhanden gekommen.

Denn es gab Zeiten, da beherrschte auch ich diese Kunst der Selbstfolter.
Richtig gelesen: Selbstfolter! Es sind meine Gedanken, die mich ständig hetzen und dabei doch nur Unzufriedenheit produzieren. Einreden eines hypertrophierten Egos, das sich seine Begrenzheit, seine Endlichkeit nicht eingestehen mag. Konkret: Ein Ego, das mehr aus der Zeit rauspressen will, als es kann.

*

Doch wann war das, als ich noch so dachte?
Und wie kam mir dies nutzlose Klagen über die Vergänglichkeit der Zeit abhanden?
Und was zeigt sich darin, dass ich die Übung abgelegt habe? Alter? Resignation? Eine Wahrnehmungsstörung?

Mir fällt nur ein altmodisches Wort ein: Gnade.

Diskriminierte Wirbel


In den vergangenen Tagen wurde man nahezu metergenau über den Ort und die Zugrichtung zweier subtropischer Wirbelstürme in der Karibik informiert. Selbst als Nur-Noch-Radio-Hörer bekam ich zumindest mit, dass da etwas in Mittelamerika am Anrollen ist.

Andererseits: Gab es in diesem Jahr noch keinen Taifun in Ostasien?
Warum berichten die Medien über die Karibik-Wirbelstürme so viel intensiver als über ihre ähnlich katastrophalen Brüder im Pazifik?
Gewiß, die Karibik liegt näher an Europa als Ostasien. Aber es trennen uns immer noch einige tausend Kilometer. Reicht das aus, um das eklatante Interessengefälle zu erklären?

Oder geht es doch darum, dass ein karibischer Wirbelsturm die USA gefährdet, ein Land, mit dem wir uns kulturell und ethnologisch verbundener fühlen als mit China, Japan, oder den Philippinen?
Zeigt sich hier nicht doch wieder ein unterschwelliger - ja, sagen wir es ruhig - Rassismus?



Wo schneidet man die Erde auf?


Das fiel mir auf, als ich meiner Frau im Atlas die Entstehung und den Zug der Wirbelstürme erklärte.
Auf einer Weltkarte befindet sich Amerika links und die eurasisch-afrikanische Masse rechts. Das nehmen wir ganz selbstverständlich hin. Und fragen uns nicht mehr, ob das nicht auch ganz anders sein könnte.

Warum muss man überhaupt schneiden? Man versuche einmal, eine Orangenschale plattzudrücken, ohne dass sie Risse bekommt! - Geht nicht!
Wenn man die Oberfläche der Erdkugel auf eine Papierfläche projizieren will, muss man notwendigerweise verzerren. Und irgendwo einen Schnitt setzen.
Aber wo? Entlang eines Meridians von Pol zu Pol? Vernünftig! Schließlich sind die Pole die Endpunkte der Erddrehachse. Das sind schon besondere Punkte, dreht sich die Erde dort doch am wenigsten.

Aber warum zerstückelt man immer den Pazifik? Warum nicht z.B. den Atlantik?
Es gibt da Längengrade, die nur Grönland zerteilen. Das sollte hinnehmbar sein. Viele herkömmliche Weltkarten schneiden ja ein Stück Alaska oder Sibirien ab. Das schmerzt auch nicht weiter.

Es war erhellend: Die Zugstraßen der karibischen Wirbelstürme (Entstehung vor der afrikanischen Küste, dann mit der Nordost-Passat-Strömung direkt in die Karibik) konnte ich problemlos zeigen.
Als ich das gleiche für die Taifune versuchte, musste ich mit dem Finger vom linken Rand der Weltkarte zum rechten springen. Die Durchgängigkeit der Taifun-Zuglinien muss man abstrakt im Kopf ergänzen, während sie für die Hurrikans* der unmittelbaren sinnlichen Erfahrung zugänglich sind.

Der Grund für die Pazifikschnitt-Konvention ist ganz einfach: Zerschneidet man den Pazifik, trennt man Amerika von Ostasien. Wie weit liegen diese Kontinente auch kulturell auseinander!
Würde man hingegen den Atlantik zerschneiden, trennte man Amerika von Europa. Und das wollen wir doch nicht - wir Brüder im westlichen Geiste und Träger der gleichen Hautfarbe!



* Jetzt steht das Wort doch da! Obwohl ich es eigentlich vermeiden wollte.
Weiß jemand, wie der Plural von "Hurrikan" heißt?

Die Bushaltestellen in unserer Straße. Nur in einer Fahrtrichtung haben sie überdachte Unterstände. Wer in die andere Richtung will, steht im Regen.
Seine Texte sind autobiographisch. Er hat sie genau so erlebt, als er sie schrieb.

aus einer Kurzvorstellung für eine Lesung

Dies krampfhafte Klammern an den Tatsachen. Man erkennt es an Bemerkungen wie "Genau so ist das gewesen!". Oder das Unsägliche "Das ist wirklich wahr!" - meist auch noch mit Nachdruck abgesondert, im Brustton der Überzeugung!
Jaja, schon gut! Und jetzt wieder hübsch ins Körbchen!

Die hoffnungslose Wahrheit lautet: Mit jedem Wort, ja, mit jeder Lebensregung offenbare ich etwas über mich selbst. Ich kann gar nicht anders leben als "autobiographisch". Niemand kann das.

Wie sollte man denn anders schreiben können als "autobiographisch"? Das setzte voraus, während des Schreibens nicht zu leben. Welch ein Unfug!

*

Der gleiche Unsinn zeigt sich im Modewort "Work-Life-Balance". Darin steckt: wer arbeitet, lebt nicht. Aber wo manifestiert sich Leben unmittelbarer als in der Arbeit? Wie soll bitteschön ein Toter arbeiten?

Hermann Hesse drückte es wesentlich treffender aus. Sinngemäß sagte er: "Wir sollen zwischen der vita activa und der vita contemplativa hin und her pendeln. Und nicht das eine zu Gunsten des anderen vernachlässigen."
"Vita", das Leben, steckt auch in der Kontemplation.


Aber Latein ist nicht mehr modern. Heutzutage muss es englisch sein.
Ist auch viel cooler! Halt wie eine Leiche...