Ja, ich weiß! Lang ist's her seit der letzten Lesefutter-Parade. Und der Mai ist auch schon lange vorbei.
Aber sei's drum!

Mark Brandis: Raumsonde Epsilon
Band 8 der "Mark Brandis"-Reihe
Wurdack, 2009

Eine extrasolare Sonde dringt in das zwischen Partikularmächten zerstrittene Sonnensystem ein. Vermutlich hält sie Technologie von Epsilon Eridani bereit, eine Zivilisation, die der Erde um 10000 Jahre voraus ist. Mark Brandis kämpft dafür, dass die Sonde nicht in falsche Hände gerät.
Ein klassischer Abenteuer-Plot mit interessanten Zutaten. Vor allem der größenwahnsinnige Flottenoffizier, der seine Chance auf die Weltherrschaft wittert, ist gut dargestellt.
Allerdings zeigen sich in diesem Band doch gleich einige inhaltliche Makel:
1. Die gefährliche Röntgenstrahlung von der Sonne auf dem Uranus. Der Uranus ist im Mittel mehr als 19mal so weit von der Sonne entfernt wie die Erde. Wenn auf dem Uranus die Röntgenstrahlung so stark werden kann, dass wenige Minuten Aufenthalt im Raumanzug für eine akute Strahlenkrankheit reichen, dann hätte sich auf der Erde, wo die Strahlenbelastung knapp das 400fache betragen würde, niemals menschliches Leben entwickelt.
2. Die unzerstörbare Sonde verglüht in der Erdatmosphäre. Schon seltsam - die kräftigsten Werkzeuge reichen nicht aus, um die Sonde zu knacken, die verheerendsten Waffen können sie nicht zerstören. Aber gegen die Reibungshitze in der Atmosphäre eines eher kleinen Planetchens hat die fortgeschrittene Zivilisation noch keine Schutzschilde entwickelt?
Ansonsten wieder ein gewohnt lesenswerter, spannender Roman!
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Holger Zürch: Woran man mit mir war.
Heinz Rudolf Kunze: 2005 bis 2008
Engelsdorfer Verlag, 2009

Die Fortschreibung von "Silbermond samt Stirnenfuß", eine Sammlung von Zeitungsartikeln, Selbstzeugnissen und Fantexten zum Sänger, Texter und Komponisten Heinz Rudolf Kunze.
Der interessierte Fan - und nur für den wurde das Buch gemacht - erfährt einige Hintergründe über HRKs künstlerische und private Entwicklung in den vergangenen drei Jahren.
Keine richtige Biographie, sondern eher ein Erinnerungsalbum für die HRK-Fan-Familie.
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Sol Stein: Über das Schreiben
Verlag Zweitausendeins, 1997 (OT: "Stein On Wiriting", St. Martin's Griffin, 1995)

Andreas Eschbach sagte sinngemäß: "Man muss mit diesem Buch kämpfen." Damit hat er recht.
Sol Stein beschenkt seine Leser mit einem Füllhorn an Tipps, wie man sein Schreiben verbessern kann. Auch vermittelt er en passant grundlegendes Wissen über das Schreiben und die Schriftstellerei.
Allerdings betrachtet er alles ausschließlich aus der kommerziellen und der amerikanischen Perspektive. Und bei mancher These, die zum Widerspruch reizte, lohnte sich das Nachdenken.
Eins der profundesten Bücher über das Schreiben. Vermutlich auch eins der besten.
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Andreas Eschbach: Kelwitts Stern
Heyne TB 23232, 2001 (EA: Franz Schneekluth, 1999)

Auf dem Planeten Jombuur ist es üblich, jedem Neugeborenen einen Stern zu schenken. Der halbwüchsige Kelwitt tritt gegen den Rat seiner Verwandten die Orakelfahrt zu seinem Stern an - dessen dritter Planet wasserbedeckt und von intelligenten Wesen bewohnt ist. Kelwitt kommt bei einer schwäbischen Familie unter. Allerdings wurde seine ungeschickte Landung beobachtet. U.a. von einem Geheimagenten, der die Chance wittert, seinen ramponierten Ruf wieder aufzupolieren.
Nun ja. Eschbach kann schreiben, der Roman entwickelt sich zu einem brauchbaren Jugendroman. Allerdings erscheinen viele Szenen wie aus schlechten Vorabend-Serien entlehnt. Vor allem im letzten Drittel erscheinen viele Wendungen konstruiert. Das Ende kann nicht befriedigen.
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Siegfried Langer: Alles bleibt anders
Atlantis, 2008

Durchgeknallte Nazis wollen mit Hilfe einer Zeitmaschine das Dritte Reich retten.
Siegfried Langers Debut ist über weite Strecken spannend geschrieben, mit dem Protagonisten Frank Miller identifiziert man sich gerne. Der erste Teil weckt Interesse und stellt den Leser vor Rätsel. Auch die handelnden Personen sind lebendig und vielschichtig gelungen. Leider enttäuscht die Auflösung denn doch ein wenig.
Trotz der Schwächen: Ein bemerkenswertes Debut! Langer kann schreiben, stilistisch überzeugt er auf ganzer Länge.
Dank an Guido Latz und seinen Atlantis-Verlag für den Mut, einem unbekannten Autor eine Chance zu geben!
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phantastisch! Nr. 34
Verlag Achim Havemann, 2009

Die 34. Ausgabe des Magazins "phantastisch!", herausgegeben vom unermüdlichen Klaus Bollenhöfer, verlegt vom nicht minder unermüdlichen Achim Havemann, geriet relativ fantasy-lastig. Deshalb habe ich weniger Artikel als sonst goutiert. Aber ich fand trotzdem genug Brauchbares. Highlights:

  • Olaf Kemmler: Wie viel Science verträgt die Fiction? Teil 2
  • Christian Endres: Moderne Mythen - Farmers "Wold Newton Universum"
  • Herrman Ibendorf-Rosenhof: Kleine Lobpreisung großer Nachschlagewerke
Nicht ganz so gelungen wie die überragende 33. Ausgabe, aber auf jeden Fall lesenswert!
Meine ausführlichen Notizen sind hier zu finden.
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Ernst Barlach: Der arme Vetter
Paul Cassirer, 1926 (gebundenes Exemplar mit drei Dramen)

Ostern in einer Kleinstadt an der Elbe. Einige Anwohner wollen ein paar nette Tage verbringen. Einige Passagiere sind nach einem Schiffsunglück hier gestrandet und warten auf die nächste Fähre. Zwischen all diesen Menschen taucht der "arme Vetter" Hans Iver auf, der anscheinend nach dem Sinn des Lebens sucht, welchen er freilich nicht findet. Die Zeit zwischen einem miß- und einem geglückten Selbstmordversuch nutzt er, um seine Mitmenschen zu verunsichern, ihnen einen Spiegel vorzuhalten und die Unechtheit ihres Treibens vorzuführen. Nur Lena Isenbahrn gelingt es, aus den Zwängen auszubrechen und ein neues, eigenes Leben anzufangen.
Wieder so ein Fall. Nossack betrachtete Barlach als seinen geistigen Vater, fühlte sich ihm eng verbunden. Ich hatte Probleme, an dem Dramentext etwas Faszinierendes zu entdecken. Zu zerrissen, zu ungeordnet kam es rüber, zu schwer fiel es mir, in der relativ großen Figurenschar Über- und Durchblick zu bewahren. Barlachs bildhauerisches und malerisches Werk sagt mir deutlich mehr zu.
Vielleicht muss ich noch weitere Barlach-Texte lesen, um auf den Geschmack zu kommen. Aber so schnell wird das wohl nicht passieren.
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Mark Brandis: Unternehmen Delphin
Band 3 der "Mark Brandis"-Reihe
Wurdack, 2009

Mark Brandis' letzte Hoffnung gegen den Diktator General Smith sind die Asiatischen Republiken, der frühere Feind. Doch dort wird ihm kaum Glauben geschenkt. Dafür melden sich alte Verbündete mit neuen Waffen.
Erneut ein spannendes MB-Abenteuer mit der typisch militärischen Atmosphäre und den prägnanten Reflexionen über Verantwortung in Hierarchien und daneben. Wann ist man zum Widerstand berechtigt? Wann verpflichtet?
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Hans Erich Nossack: Pseudoautobiographische Glossen
edition suhrkamp 445, Suhrkamp, 1971

Der Band enthält in der Tat eine Reihe ganz hervorragender Glossen, etwa "Aus den Akten...", "Musenweimar" oder der köstliche Bericht von Berthold Möncken (Hauptfigur aus Nossacks Roman "Spätestens im November") über den Autor. Ganz überwiegend finden sich hier aber durchaus tiefe Erkenntnisse über das Schreiben und das Verhältnis des Autors zu seinen Figuren ("Orest", "Eine Sache, die stimmen muss", "Über das Eigenleben von Manuskripten" "Unveröffentlichter Brief ... an eine Romanfigur"). Des weiteren verarbeitet Nossack Erlebnisse mit den Werken anderer Autoren ("Bekenntnis zu Barlach", "Dies lebenlose Leben") aber auch biographische Begebenheiten ("Privatbesitz, Durchgang verboten", "Dann entschuldigen Sie, bitte"). Höhepunkte sind seine Selbstreflexionen und Selbstrechtfertigungen, insbesondere der großartige Aufsatz "Jahrgang 1901".
Ein reiches Schatzkästlein mit vielen Kleinoden, die allerdings nur der Kenner und Nossack-Freund goutieren kann.
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Der Mai war insgesamt ein abwechslungsreicher Lesemonat mit einigen guten Büchern, aber auch einigen problematischen Kandidaten. Vor allem die "Mark Brandis"-Serie erweist sich als unerwarteter Glücksgriff. Dank an Ernst Wurdack für die Neuauflage!

Bzgl. Lesefutter-Rubrik gelobe ich Besserung!
Nachdem der Juni recht lesearm ausfiel, befindet sich "Lesefutter Juli 2009" bereits in Arbeit.