14 August, 2009 10:29
Empörung ist gesund?!
Geschrieben von Ralvieh in [Allgemein, Beobachtung][0 Kommentare] | [0 Trackbacks]
Empörung ist gesund.
Empörung schafft Ordnung im Kopf. Auf dem Scheiterhaufen des für uns Inakzeptabeln lassen wir alles lodern, was unserem Verständnis von gerecht und berechtigt widerspricht. Empörung bringt Abgrenzung, und diese ist bessere Therapie als die teuersten Seelenflicker sie bieten können.
Andreas März im Editorial von MERUM, Ausgabe 1/2009 (kompletter Text: hier)
Stimmt das?
Zunächst: Empörung bezieht sich stets auf etwas, ist vom Wesen her also Reaktion, nicht Aktion.
Der Empörte stellt seinen Standpunkt relativ zum Gegenstand der Empörung dar - und erhebt selbigen damit zum absoluten Bezugs- und Orientierungspunkt.
Kann eine Verstrickung stärker sein?
Ferner: Wo Empörung notwendig ist, muss der Empörte seinen Standpunkt zum Empörungsobjekt erst noch bestimmen.
Empörung signalisiert Klärungsbedarf. Und zeigt damit eine ungeklärte, verstrickte Lage des Empörten an.
Die entscheidende Frage: Ist Empörung der einzige Weg zur Klärung?
Und falls nicht: Ist sie der beste, der Königsweg dorthin?
Die deutsche Sprache entlarvt oftmals die wahren Motivationen hinter bestimmten Handlungen.
Das Verb heißt vollständig "sich über etwas empören".
Und "empören" kommt von dem Wörtchen "empor".
Das heißt: Wenn ich mich über etwas empöre, hebe ich mich quasi selbst über das Objekt meiner Empörung empor!
Wem erscheint eine solche Selbsterhöhung nicht auf Anhieb suspekt?
Vielleicht liegt hier der Grund, warum wir empörte Menschen so oft affektiv ablehnen.
Mir stellt sich beim "sich über etwas empören" stets das Bild des Lügenbarons von Münchhausen ein.
Auch er "empörte" sich und sein Pferd am eigenen Zopf über den Sumpf.
Das funktioniert allerdings nur in der Lügengeschichte.
Sagt uns diese Tatsache etwas über Empörung?


